Bebauungsplan Probleme

Als wir uns Anfang des Jahres um ein Grundstück in einem Neubaugebiet in einer Nachbargemeinde bewarben, waren wir uns noch nicht im Klaren was der Bebauungsplan genau bedeutet. Als Laie lernt man ja im Laufe der Zeit immer neue Begriffe und deren Bedeutung, so auch mit der Vollgeschossigkeit. Der Bebauungsplan für unser Grundstück lässt maximal ein Vollgeschoss zu. Klingt erst einmal nicht dramatisch, wird es aber sofort wenn man bisher mit einer Stadtvilla geliebäugelt hat. Okay, das hatten wir in diesem Fall nicht, aber mit einem hohen Kniestock. Als Laie denkt man auch nicht daran das ein höherer Kniestock (>1,50m) ein Problem sein könnte. Weit gefehlt. In Hessen darf die Dachgeschossfläche nur 75% der Fläche des Erdgeschosses betragen. Berechnungsgrundlage ist hier für das Dachgeschoss alles was über 2,30m liegt. Da ist dann auch schon das Problem, denn je höher der Kniestock, desto mehr Fläche liegt bei einer Höhe über 2,30m.

Nachdem wir jetzt also mehrere Monate alles Mögliche hin und her gerechnet und geplant haben, waren wir letztendlich bei einem Entwurf der gepasst hätte. Wäre da nicht diese Limitierung auf das eine Vollgeschoss. Unsere Berechnungen hatten nämlich ergeben, dass wir mit ca. 6m² über dem Erlaubtem gewesen. Eine Erweiterung des Erdgeschosses in Form eines Eingangsanbaus sollte uns aber einen nicht gerade geringen fünfstelligen Betrag kosten. Was tun war also die Frage.

Wir haben uns für die offensive Variante entschieden und sind offen auf das Bauamt zugegangen. Wir erklärten freundlich die Situation  und wiesen auch auf die Sehbehinderung meiner Frau hin und fragten ob wir keine Befreiung bekommen könnten.
Die Antwort des Bauamtes war ebenso freundlich wie unsere Anfrage, allerdings war die Antwort leider ernüchternd. Sie könnten unser Anliegen und unsere Argumente verstehen, könnten auch rein rechtlich eine Befreiung aussprechen, wollten sich aber leider keinen Präzedenzfall in das Baugebiet holen. Das heißt für uns leider friss oder stirb – Sprich entweder den fünfstelligen Betrag zahlen und das Haus mit einem höheren Kniestock bauen, oder den Anbau weg lassen aber dafür dann den Kniestock runter.

Nur damit ihr eine ungefähre Idee habt um was es hier geht.: Wir hatten einen Kniestock von 1,30m geplant, was schon wesentlich niedriger war wie uns ursprünglich lieb war. Mit einer Befreiung wäre alles super gewesen und man hätte dem Haus nicht im Geringsten Angesehen das wir für 6m² eine Befreiung erhalten haben. Durch die Antwort des Bauamtes wären wir jetzt gezwungen gewesen auf ca. 85-90cm Kniestock runter zugehen. Wenn man jetzt hier noch einen Fußbodenaufbau mit Fußbodenheizung etc. von ca. 15-20cm ansetzt, wären nur noch 75cm übrig geblieben (im Bestfall). Da dies definitiv keine Option war, sind wir leider wieder zurück ans Reißbrett. Parallel haben wir uns um ein alternatives Grundstück in einem anderen Nachbarort beworben. Hier sind zwei Vollgeschosse erlaubt. Hier heißt es allerdings wirklich Glück zu haben, da die Nachfrage sehr hoch sein wird und die Vergabe per Los entschieden wird.

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